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Welche Schutzmaske ist für welchen Zweck geeignet?

Clevisto® Fachredaktion, veröffentlicht: 3-2012, Copyright: Clevisto GmbH

Auf dem Markt gibt es mit Atemschutz-, FFP-, Gesichts-, Hygiene-, und OP-Masken eine Fülle unterschiedlicher Produkte, die sich nicht nur im Preis, sondern auch in den Eigenschaften deutlich von einander unterscheiden.

Papier-Masken

Den schlechteste Schutz vor Krankheitserregern aus der Atemluft stellen ein- oder zweilagige Papiermasken dar, die mit Gummibändern hinter den Ohren befestigt werden. Diese Papiermasken liegen nicht eng an und das Filtermaterial Papier hat eine sehr geringe Filterleistung. Papier-Masken reichen für die medizinische Verwendung als Schutz vor Krankheitserregern aus der Atemluft nicht aus.

OP-Mundschutz

Der meist vom Zahnarzt bekannte Mund-Nasenschutz-Schutz (MSN), auch als OP-Mundschutz bezeichnet, besteht aus einem dreilagigen Filtermaterial. Befestigt wird der Mundschutz mit Bändern am Kopf oder zwei Gummischlaufen hinter den Ohren. Im Nasenbereich kann der Anwender mit einem einstellbaren Nasenbügel das Vorbeiströmen von Atemluft im Nasenbereich vermeiden.

Gute Produkte müssen so beschaffen sein, dass der Träger das Tragen des Op-Mundschutzes auch über viele Stunden toleriert. Konzipiert ist der OP-Mundschutz nicht zum Schutz des Trägers sondern zum Schutz des Patienten vor einer Infektion. Deshalb wird bei der Qualitätsprüfung dieser Medizinprodukte auch das Keimrückhaltevermögen beim Ausatmen getestet, das bei guten Masken über 98% liegt.

Partikel filtrierende Halbmasken (FFP-Masken)

Im Unterschied zu den vorher beschriebenen Produkten werden FFP-Masken (FFP heißt Filtering Face Pieces) nach der DIN EN 149 auf Schutzeigenschaften für den Träger getestet. Nach der Filterleistung der Atemschutzmasken gibt es drei Qualitätsstufen:
  • FFP1 Masken müssen mindestens 80%,
  • FFP2 Masken mindestens 94% und
  • FFP3 Masken mindestens 99% eines Prüfaerosols zurückhalten.

Bei korrekter Verwendung ist der dichte Sitz der FFP-Masken für den Anwender leicht realisierbar.
Tipp: Mit Hilfe von Aerosolen aus Sacharinlösung kann der korrekte Sitz der FFP-Maske geprüft werden. Schmeckt der Träger das süße Sacharin, ist seine FFP-Maske nicht korrekt angelegt.

Ursprünglich wurden die FFP-Masken, wie die Bezeichnung "Partikel filtrierende Halbmaske" beschreibt, nur als Atemschutzmaske gegen Stäube im Arbeitsschutz eingesetzt. Deshalb gibt es in der Prüfnorm der FFP-Masken auch keine mikrobiologische Prüfmethode.

Mittlerweile ist die Verwendbarkeit der FFP-Masken im medizinischen Bereich jedoch hinreichend belegt. Dies gilt auch im Einsatz gegen Viren, was zum Beispiel im Jahre 2003 an SARS-Erregern getestet wurde. Aus diesem Grund empfiehlt auch das Robert Koch Institut (RKI) im Falle einer Grippe-Pandemie FFP-Halbmasken bei Patientenkontakt zu tragen. Der Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) lässt im Beschluss 45/2011 vom 5.11.2011 nur FFP2- und FFP3-Masken zum Schutz vor luftübertragbare Infektionserreger zu.
Empfehlungen zum Atemschutz vor Tröpfcheninfektionen bei der Versorgung von Influenza Patienten nach Risikoklassen bietet die nachfolgende Tabelle.
Tätig­keit OP-Mund­schutz FFP2 Atem­schutz­maske FFP3 Atem­schutz­maske
Ambulante Ver­sorgung,Pflege von Verdachts­fällen Patient (wenn zumutbar) Medizinisches Personal  
Transport in einem Auto Patient (wenn zumutbar)   Fahrer, Begleit­person(en)
Tätig­keiten im Patienten­zimmer Patient (wenn zumutbar) alle  
Tätig­keiten, bei denen Beschäftigte Husten­stößen ausgesetzt sein können Patient (wenn zumutbar) alle  
Tätig­keiten mit Husten­provokation (z.B. Intubation) Patient (wenn zumutbar)   Medizinisches Personal
Aus Berichten zur Grippeepidemie im Jahre 2009 sind vielen Laien die Bilder von Menschen bekannt, die zum Schutz vor Ansteckung offensichtlich OP-Mundschutz tragen.
Deshalb ist die Frage bedeutsam, ob ein OP-Mundschutz für den Träger auch als Atemschutzmaske zur Vermeidung aerogen (über die Luft) übertragbarer Tröpfcheninfektionen geeignet ist.



So können z.B. Grippeviren in kleinen Tröpfchen (Durchmesser > 10 µm) von infizierten Patienten durch Husten oder Niessen in der Raumluft verteilt über die Distanz von mehreren Metern andere Menschen über die Atemluft infizieren. Ob der OP-Mundschutz den Träger vor Krankheitserregern aus der Atemluft schützt, wurde Anfang des Jahres 2007 vom Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitsschutz (BGIA) getestet.

Ergebnis: Einige wenige Mund-Nasenschutz-Produkte mit modellierbarem Nasenbügel erfüllen die wesentlichen Anforderungen einer FFP1-Maske nach DIN EN 149. Da FFP1-Masken gemäß der Norm aber eine Gesamtleckage von 20% aufweisen dürfen, sind sie nicht als Atemschutz vor luftübertragbaren Infektionserregern geeignet!

Dem entsprechend sind OP-Masken ebenfalls als Infektionsschutz vor luftübertragbaren Erregern nicht ausreichend! OP- und FFP1-Masken sind in dem Falle nur eine Hygienemaßnahme, weil sie Mund und Nase vor Berührung durch kontaminierte Hände schützen.

Muss es immer eine FFP-Atemschutzmaske mit Ventil sein?

Neben der Filterleistung unterscheiden sich FFP-Masken auch in ihrer Ausstattung, z. B. einem Ausatemventil. Grundsätzlich haben FFP-Masken aus der gleichen Schutzklasse mit und ohne Ventil bei korrekter Verwendung die gleiche Schutzwirkung! Besonders kleine, harte FFP-Masken mit dickem Filtervlies benötigen ein Ventil, da ansonsten der Atemwiderstand zu hoch ist und die Gefahr zunimmt, dass Atemluft beim Einatmen seitlich an der Maske vorbeiströmt. Das Ventil erhöht den Preis der FFP-Maske deutlich.
Aus dem Grund haben einige Hersteller FFP-Masken entwickelt, die ohne Ventil auskommen. Diese Masken sind nicht starr und haben eine vergleichsweise große Filteroberfläche. Auf diese Weise werden vergleichbare Trageeigenschaften zu FFP-Masken mit Ventil erreicht. Diese Aussage gilt insbesondere für FFP1 und FFP2-Masken, aber auch FFP3-Masken ohne Ventil sind mittlerweile am Markt verfügbar.

Wie lange kann eine FFP-Atemschutzmaske verwendet werden?

Alle im medizinischen Bereich genutzten FFP-Masken sind Einwegartikel, die von den Herstellern nicht für die mehrfache Verwendung konzipiert und getestet sind.
Somit entwickeln und liefern die Hersteller auch keine Handlungsanweisung zur Wiederaufbereitung des Medizinproduktes. Bei langer Anwendungsdauer erhöht sich der Atemwiderstand der FFP-Maske. Nach der Nutzung kann die FFP-Maske im Hausmüll entsorgt werden. Für die Industrie gibt es auch Arbeitsschutzmasken mit abweichenden oder zusätzlichen Eigenschaften wie z.B. Geruchsfilter oder Gasfilter. Zur Handhabung dieser Atemschutzmasken wird auf die Informationen aus dem Datenblatt des jeweiligen Herstellers verwiesen.
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